CVJM Dreieck

Christlicher Verein Junger Menschen München e.V.

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Titel: CVJM München e.V.: Vom Tsunami zum Bürgerkrieg

URL: www.cvjm-muenchen.org/service/berichte/vom-tsunami-zum-buergerkrieg/


Vom Tsunami zum Bürgerkrieg



2. Weihnachtsfeiertag 2004: Eine Flutwelle von nicht bekanntem Ausmaß traf dreiviertel der Küste von Sri Lanka. Die Naturkatastrophe tötete 40.000 Menschen und zerstörte 100.000 Häuser. Charith, ein damals 23-jähriger Mitarbeiter des YMCA berichtet von Matara, einer Stadt an der Südspitze von Sri Lanka: „Als ich hier ankam, vier oder fünf Tage nach dem Tsunami, war hier eine Wüstenlandschaft: Ein beißender Gestank lag in der Luft. Weinende oder verwirrt lachende Menschen streunten ziellos umher.“ Nicht weit entfernt wurde ein Zug von der Gleisstrecke an der Küste mehrere hundert Meter ins Landesinnere geschleift – knapp 1.000 Menschen starben. Von den Insassen des Zuges überlebte als einziger ein neunjähriger Junge, der dabei seine Eltern vor seinen Augen im Zug verloren hat.
Der YMCA in Sri Lanka mobilisierte alle Kräfte und startete sofort mit Hilfsprogrammen, bei denen sich 15 betroffene Ortsvereine aktiv beteiligten. Charith wurde als Koordinator für den Süden des Landes angestellt, um die verschiedenen Hilfsprojekte, sowohl mit dem Nationalverband in der Hauptstadt Colombo, als auch mit anderen Organisationen vor Ort zu koordinieren. Im Osten in Batticaloa und südlich davon war die Zerstörungswucht des Tsunamis noch stärker. Das Gebiet war durch eingestürzte Brücken und unterspülte Straßen anfangs kaum zugänglich. Chrisantha Hettiaratchi, der Verantwortliche des YMCA in Sri Lanka, bemühte sich so rasch und effektiv wie möglich, die Ortsvereine zu unterstützen. Ehrenamtliche aus dem In- und Ausland beteiligten sich dabei genauso wie Soldaten von einem Schiff der britischen Marine, die im YMCA Komari für eine Woche Quartier bezog, um vor Ort zu helfen. Chrisantha rief eine internationale Partnergruppe von CVJM aus verschiedenen Ländern zusammen, um Experten und finanzielle Mittel für die Hilfsprojekte zu organisieren. Denn das war klar: die Not der Menschen überstieg die Möglichkeiten des YMCA in Sri Lanka bei weitem.
Eine Welle an Hilfeleistungen und Hilfeleistenden mit ganz unterschiedlichen Motivationen überrannte Sri Lanka im Frühjahr 2005 – nichts war mehr so wie vor dem Tsunami. Gut gemeinte Hilfe überforderte Wohlfahrtsverbände in Sri Lanka genauso wie die Regierungsbehörden. Um dem YMCA bei der Identifikation und Administration von Projekten zu unterstützen, war Daniel Botero für den deutschen CVJM acht Monate in Colombo im Büro des Nationalverbandes. Eine Gruppe aus dem CVJM München leistete drei Wochen Aufbauhilfe und setzte damit auch ein Zeichen der Freundschaft und der Verbundenheit.
Neben den vielen mittelfristigen Hilfsprojekten, die inzwischen abgeschlossen wurden, stehen nun besonders Themenfelder wie Berufliche Ausbildung und die Stärkung der lokalen YMCA im Vordergrund. Eine fundierte berufliche Ausbildung erlaubt den Menschen Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ein Aspekt, der gerade auch nach Katastrophen wichtig ist. Lebendige Ortsvereine des YMCA sind eine Plattform für ein Miteinander der verschiedenen Gruppen innerhalb eines Ortes. So unterstützt der deutsche CVJM zukünftig ein Ausbildungszentrum in Matara zusammen mit Y Care International, der Hilfsorganisation aus dem britischen YMCA. In Matara sollen neben den bereits begonnen Englischkursen und Familienprogrammen nun auch handwerkliche Kurse angeboten werden. Der CVJM München wird das Ausbildungszentrum durch Experten und finanzielle Mittel weiter unterstützen.
Aktuell leiden die Menschen in Sri Lanka durch den Terror des wieder aufgeflammten Bürgerkriegs zwischen der Regierung und den tamilischen Separatisten. Neben den militärischen Operationen vor allem im Nordosten des Landes bringt der Terror die Gefahr auch nach Colombo. Anschläge an belebten Stellen treffen Tamilen, die in Colombo knapp 40% der Bevölkerung stellen und Singhalesen, die landesweit die Bevölkerungsmehrheit stellen, mit gleicher Härte.
Bei einem Überfall im Osten des Landes kam so im Februar ein Verantwortlicher im YMCA, ein Pfarrer im Hauptberuf, ums Leben. Chrisantha Hettiaratchi schreibt: „Die Welle der Gewalt ist sehr entmutigend und wir sind besorgt, welches Ausmaß die Gewalt im Lande annehmen wird. Wir bangen um die jüngere Generation und ihre Zukunft“.
Und dennoch: Jeder ist aufgerufen, die Freunde in Sri Lanka solidarisch zu unterstützen, mit dem was wir haben und können. Den Verantwortlichen im YMCA Sri Lanka ist dabei wichtig, dass Menschen in Deutschland sie im Gebet unterstützen. Sie freuen sich auch über Zeichen der Solidarität und Verbundenheit. Wenn Charith in die Zukunft schaut, lacht er und freut sich über das Erreichte. Ja, wir können etwas ändern!
Stefan Nicklas

Infos

Joachim Schmutz
Tel. 089 552141-13

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