


Am 9. November 2006 wurde die neue Hauptsynagoge Münchens Ohel Jakob (Zelt Jakobs) auf dem St.-Jakobs-Platz eingeweiht. Seitdem bietet die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern interessierten Bürgern Führungen zum kennen lernen an. Zu einer solchen Führung waren am Montag, den 13.8.2007 Mitglieder und Freunde des CVJM München eingeladen. Hierzu ein Bericht:
Zuerst ging es hinunter: Weg vom sonnenbeschienenen St.-Jakobs-Platz, durch die Sicherheitsschleuse des Haupteingangs zum Jüdischen Zentrum, dann die Stufen eines eher dunklen Treppenhauses hinab.
Nun standen die 70 Teilnehmer an der Führung am Anfang eines langen Kellergangs, der von der linken Seitenwand sein Licht erhält. Diese Seitenwand besteht aus einem dreifach geschichteten, von hinten erleuchteten Glasband. Darin sind die Namen der 4000 Münchner Jüdinnen und Juden eingeschrieben, die während des Naziregimes ermordet wurden. Auf der gegenüber liegenden Wand begleiten eingefräste Worte wie „trauern“, „lernen“, „versöhnen“, „sprechen“, „leben“ den Weg der Besucher. Schweigend passierten die Teilnehmer diesen unterirdischen „Gang der Erinnerung“. Jeder ahnte spätestens jetzt, dass man eine Synagoge „nicht einfach mal so besichtigt“, wie es gewöhnlich Touristen in Kirchen tun.
Dann ging es wieder hinauf in eine eher schmucklose, aber modern gestaltete Vorhalle. Nachdem alle männlichen Teilnehmer ihr Haupt bedeckt hatten, betrat die Gruppe die Hauptsynagoge. Sonnenlicht durchflutete den hohen, rechteckigen, streng gestalteten Raum. Die geschlossenen, mit Zedernholz getäfelten stabilen Seitenwände setzen sich in halber Höhe in einem fragilen Gebilde aus Glas und feinen Streben fort, welches das ebenso gestaltete Flachdach trägt. Je nach Blickweise und Standpunkt bildet dieses filigran wirkende Gitterwerk Dreiecke, Waben und ineinander greifende Davidsterne.
Wer hindurch schaut, sieht die Dächer und Teile der Fassaden der benachbarten Gebäude. Er nimmt sozusagen die unmittelbare Nähe des städtischen Lebens wahr. Er sieht aber auch den weiten Himmel - an diesem Tag tiefblau mit großen weißen Wolken.
Herr Marian Offman, Stadtrat der Landeshauptstadt München und Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der die Gruppe führte, hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gesagt. Der bisherige „Anschauungsunterricht“ war auch mehr als Worte sagen können. Deshalb waren die Erläuterungen, die Herr Offman nun gab, eher wichtige Ergänzungen zu dem bereits Wahrgenommenen. Herr Offman informierte über die jüdische Gemeinde in München, über ihre Geschichte und heutige Prägung, über die Neuerstehung der Hauptsynagoge und über die Bedeutung der Synagoge für das jüdische Leben. Er erklärte die Gestaltung und Ausstattung der Synagoge, die Bedeutung der 2 riesigen Leuchter und des erhöhten Mittelteils mit dem Vorlesepult sowie die Anordnung der (nummerierten) Sitze für die Gottesdienstteilnehmer- getrennt nach Männern und Frauen. In die nach Jerusalem ausgerichtete Ostwand ist der Thora-Schrein mit seinen gewaltigen Türen eingelassen. Die Besucher durften einen Blick auf die darin verwahrten kostbaren Thora-Rollen werfen.
Besonders interessant war die Schilderung des Ablaufs eines jüdischen Gottesdienstes am Sabbat, der bereits - wie jeder Tag nach jüdischem Kalender - am Vorabend, also am Freitagabend, beginnt und am Samstagabend endet. Er hob hervor, welche bedeutende Stellung die 5 Bücher Mose und das Gesetz nicht nur für den Gottesdienst, sondern generell für das fromme jüdische Leben haben. Bilder gibt es in der Synagoge nicht. Die Wände und Türen des Thora-Schreins zieren markante, goldene, hebräische Inschriften. Sie verweisen auf die 10 Gebote sowie Mahnungen und Verheißungen des Alten Testaments.
Der Vortrag von Herrn Offman wurde ab und zu von den Bauarbeiten rund um die Synagoge übertönt. Das Wesentliche ist zwar fertig: Die Synagoge selbst, das dazu gehörige Jüdische Zentrum mit Sälen, Büros, Museum, Kindergarten und auch ein koscheres Restaurant für jedermann. Aber es wird auch noch gebaut, ausgestaltet und bereits- wie während unsers Besuchs zu sehen - schon wieder etwas repariert. So könnte die „Baustelle Jakobsplatz“ vielleicht auch ein Zeichen dafür sein, dass sich das jüdische Leben in München wieder deutlich etabliert hat, Juden, Christen (und auch andere Religionsgemeinschaften) nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander leben, aber einiges noch auf dem Weg, noch nicht vollendet ist- wie eben der Jakobsplatz.
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