



Es ist 15.10 Uhr. In den nächsten Minuten klingelt es öfters an unserer Tür und nacheinander trudelt die lebhafte Mädelschar bei uns ein. Ja - ab 15.15 heißt es Jungschar - Zeit. Unsere Jungschar ist eine von fünf Jungscharen in und um München für 9-12 jährige Mädchen. Wir haben einen klaren Heimvorteil, da die Jungschar bei uns zu Hause stattfindet. Doch in letzter Zeit wird es hier teilweise richtig eng - und das ist auch gut so, wie die Mädels und auch wir Leiterinnen finden! Schon bald türmt sich ein Berg von Jacken an unserer Garderobe und man könnte wahrlich von einem Schuhsalat am Boden sprechen. Begonnen hat unsere Jungschar mit vier Teilnehmerinnen, die treu jeden Freitag gekommen sind. Doch in letzter Zeit kamen immer wieder Freundinnen oder Schwestern dazu. Somit konnte sich unsere Gruppe innerhalb des letzten Jahres verdoppeln, denn die Mädels arbeiten hart daran, die Teilnehmerzahl 17 zu erreichen. In diesem Fall haben wir ihnen nämlich versprochen Eisessen zu gehen. Anscheinend ein sehr verlockendes Ziel... Obwohl wir jetzt 16 Teilnehmerinnen haben, kommt es genau auf jede Einzelne an. Dass jeder wichtig ist und ernst genommen wird, merkt man z.B. in unserer Handy-Zeit. Der Name kommt daher, dass die „Rufnummer“ unseres Vaters im Himmel nie besetzt ist und wir jederzeit mit ihm reden können.
Hier haben die Mädels viel zu erzählen, was sie so im Alltag beschäftigt und was sie Schönes aber auch Schwieriges erleben. Das Gebet im Anschluss ist wichtig, da wir wissen, dass Gott uns hört und so manche Dinge wendet - wenn auch nicht immer so wie wir es uns vorgestellt haben. In dieser Zeit singen wir auch immer einige fetzige Lieder aus dem Jungscharliederbuch, sodass sogar unsere Nachbarn hören können: „Gott ist gut!“ Als nächstes kommt dann zum Beispiel Ritter Kunibert zu Besuch und erzählt von seinen abenteuerlichen Schlachten, die er zunächst ohne die Waffenrüstung (Gottes, Eph. 6) bestritten hat, was aber natürlich gründlich daneben gegangen ist. Und so gibt er den Mädels aus eigener Erfahrung den Tip, ihre „Waffenrüstung“ immer dabei zu haben. Oder der Ex-Zöllner Matthäus, der auf seiner 1976 Jahre langen Reise sogar extra bei uns Halt macht. Er berichtet von der krassen Veränderung in seinem Leben, nachdem er Jesu Ruf gehört hat, ihm gefolgt ist und dabei immer mehr gelernt hat, was es eigentlich bedeutet, ein Jünger Jesu zu sein.
Gleich danach geht so richtig die Post ab, wenn wir bei einem Spielenachmittag unser Haus unsicher machen. Man kann sich vorstellen, dass die Wände wackeln, wenn 13 Mädels gleichzeitig um die Wette wertvolle Silbersteine suchen. Und dass es zum Schreien komisch ist, wenn sie versuchen, so schnell wie möglich eine Schnur am großen Zeh aufzuwickeln oder Rosinen mit dem Strohhalm von A nach B zu transportieren - natürlich ohne die Hände zu benutzen. Bei gutem Wetter schmuggeln wir draußen als verdeckte Agenten „Ware“ in unser geheimes Lager, ermitteln die Wiesnkönigin und das Gewinnerland der olympischen Sommerspiele oder spielen einfach Versteinern, bis uns die Puste ausgeht. Manchmal ist aber auch unsere kreative Ader gefragt, wenn wir z.B. Weihnachtskarten, Perlenarmbänder oder Windowcolorbilder basteln, unsere Kochkünste beim Plätzchenbacken ausprobieren oder uns sogar mal an ein festliches Menü aus Spaghetti Bolognese mit Obstsalat wagen. Und natürlich genießen wir danach dann auch zusammen genüsslich als echte Feinschmecker unseren selbst gekochten Gaumenschmaus. Doch auch wenn keine Feinschmeckerzeit angesagt ist, muss in der Jungschar keiner mit leerem Magen nach Hause gehen, denn nach dem Programmteil gibt’s Tee und Kekse für alle. Nach unserem Jungschargruß und dem kultigen „ Mit Jesus Christus mutig voran“ verabschieden wir uns voneinander und die ersten Eltern klingeln auch schon. Genauso schnell, wie die Mädels das Haus „erobert“ haben, sind sie dann auch wieder weg - für genau eine Woche bis zum nächsten Freitag...
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