Der unbemerkte Gott



In den Pfingstferien habe ich mit meiner Familie einen Freund in Italien besucht, der im Ruhestand ist und die meiste Zeit des Jahres dort wohnt. Das Meer war wunderschön, aber leider ziemlich frisch – uns war es egal, wir badeten  trotzdem darin. Neben Strand und Meer, Essen zubereiten und Karten spielen fand sich immer wieder Zeit, über Politik, Kirche und Gesellschaft zu reden. Am letzten Abend habe ich ihn gefragt, woran er erkennen würde, dass es einen Gott gibt. Und er antwortete: „Wenn es einen Gott gibt, dann legt er es nicht darauf an, bemerkt zu werden!“ Dieser Satz hat mir zu denken gegeben. Ein Gott, der verborgen bleiben will? In der Bibel wird bezeugt, dass der allmächtige Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Das Reden, das Handeln Jesu war sichtbar, greifbar und erfahrbar – Jesus wirkte öffentlich. Im Nachdenken erinnerte ich mich auch an den Bibelvers im Johannes Evangelium 14,9, in dem Jesus sagt:  „Wer mich sieht, der sieht den Vater“. Mit Jesus ist Gott wahrnehmbar geworden. Bewusst! Das ist die gute Nachricht der Menschheitsgeschichte. Das ist keine Botschaft nur für Insider, sondern für alle. Gott hat sich be- merkbar gemacht. Aber er zeigt sich nicht in seiner göttlichen Herrlichkeit, sondern verbirgt sei- ne Pracht und wird ein Mensch.

Eine weiterer Bibelvers kam mir in den Sinn: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ (Johannes 20, 21). Jesus ruft Menschen, die Gott schon erlebt haben und in einer Beziehung mit ihm leben, um allen anderen Menschen diesen Gott zu zeigen. Die gleiche Sendung wie Jesus zu haben bedeutet, dass wir mit Jesus ein Hin- weis auf Gott sein sollen. Gott will, dass wir Chris- ten die Aufmerksamkeit auf ihn lenken.  Das ist leichter gesagt als getan. Auch wir Christen wissen von dieser Schwierigkeit. Durch alle Jahrhunderte hindurch haben Menschen Gottes Wesen, seine Schönheit und seine Liebe durch Selbstsucht und Machtgelüste verdeckt. Sie haben sich selbst zu Gott ernannt und erkannten und erkennen bis heute den einen Gott nicht an. Der Prophet Hesekiel beispielsweise beklagte, dass das Volk Gottes sich so verhält, dass dadurch sein Name entehrt wird und unter den anderen Völkern keinen guten Klang hat.

Dennoch: Gott hat sich bemerkbar gemacht und er war nicht tot zu kriegen und ist auch jetzt nicht klein zu kriegen.  Auch heute weisen die Gemeinschaft und das Lebenszeugnis aller Christen welt- weit auf Jesus, auf Gott hin.

Gott hat es darauf angelegt bemerkt zu werden. Aber auch das stimmt: Man kann Gott, der sich gezeigt hat, übersehen, man kann Gottes Liebe, Weisheit und Kraft ausblenden.  Man kann Jesus als klugen Weisheitslehrer ansehen und dabei seine Göttlichkeit übersehen. Jesus Christus ist unaufdringlich. Er will uns gewinnen. Er wirbt, er ruft und er lässt die Freiheit zur Entscheidung.

Ihr Christian Abel

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