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13.06.2010

Stadtspaziergang mit der Spätschicht:
Das Beste der Stadt

 

Wer nach einem langem Spaziergang endlich im Café sitzt, kann sich den anregendsten Gedanken hingeben, z.B. der Frage: „Wie wirkt Verschwundenes?“ Gut, das Stück Schokoladenkuchen, das man gerade genüsslich vertilgt hat, hinterlässt zumindest einen wohligen Nachgeschmack im Mund, bevor es dann in Energie umgesetzt oder als Speck auf den Rippen gespeichert wird.
Aber wie wirken monumentale Gebäude, die plötzlich aus dem vertrauten Stadtbild verschwinden? Diesen und anderen Fragen gingen über 20 Teilnehmer des Spätschicht-Stadtspaziergangs am 13. Juni vor dem obligaten Cafébesuch nach.

Da wäre für München zum Beispiel der Glaspalast zu nennen, ein riesiger Ausstellungsort des Industriezeitalters mit 240 m Fassadenlänge mit demselben Bauprinzip wie die Schrannenhalle. In einer einzigen Nacht des Jahres 1931 brannte das im Alten botanischen Garten gelegene Gebäude nieder. Besonders tragisch deshalb, weil sich im Inneren eine wertvolle Gemäldesammlung romantischer Maler befand. Die unersetzlichen Originale fielen den Flammen zum Opfer; die Baulücke wurde nie mehr ganz geschlossen. Als Ersatz für den Glaspalast errichteten die neuen Herren nach 1933 das doch recht impertinente Haus der (deutschen) Kunst.

Man mag sich die Mühen vorstellen, die nach jedem Stadtbrand, nach all den Kriegszerstörungen nötig waren, um an den Wiederaufbau zu gehen. So etwa beim Alten Peter, Münchens ältester Kirche. Mindestens sechs Umbau- und Wiederaufbauphasen kann man alleine an der altehrwürdigen Turmkonstruktion nachweisen.
Die Zerstörungen waren 1944/45 so groß, dass in den ausgebrannten Mauerresten bereits Bohrlöcher für die Sprengung angebracht wurden – bis eine Bürgerinitiative diesem Münchner Wahrzeichen zu neuem Leben verhalf. Heute kann man von seiner Turmplattform die Blicke über eine blühende Stadt schweifen lassen und ihre herrliche Umgebung bis hin zu den Alpen genießen. Und die 306 Treppenstufen rechtfertigen sogar ein weiteres Stück Schokoladenkuchen.
                                                                                                     Walter Graßmann

 

Bilder der Stadtführung:

(Durch Anklicken können sie vergrößert werden)

02.12.10

Intonation

Kurz nach dem großen Weihnachtsmarkt im CVJM (traditionell am Ersten Advent) konnten wir die adventliche Erwartung auf die Geburt unseres Erlösers nochmals voller Freude erleben. Dazu half uns in der Spätschicht am 2.12. der Chor InTONation unter der Leitung von Ray-Allen Taylor. Unsere Spätschicht-Mitarbeiterin Nicki Fischer war eine der Sängerinnen, die uns mit fröhlichen (Santa comes to town) und besinnlichen (The first noel) Songs in adventliche Stimmung versetzten. Von unserm Mitklatschen und Mitfreuen war nicht nur Ray begeistert, unsere Gäste genossen sichtlich den Abend bei guten Gesprächen im Anschluß.

Beate Beckmann-Zöller

 

27.05.2010

Spätschicht: Das Recht auf Leben -
Entwicklungshilfe heute


Die Geschichte von Richard und Roderick ist schnell erzählt. Die Zwillingsbrüder kamen  irgendwo in Afrika in einem sehr schlechten Gesundheitszustand in die Überlebensstation. Beide benötigten Rehydrierungs-Salze zur Behandlung, dringend. Doch die Vorräte des Medikaments waren fast aufgebraucht, sodass sich die Ärzte für eines der Babys entscheiden mussten. Das unglückliche Brüderchen starb an Durchfall.

„Alle drei Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an einer vermeidbaren Krankheit. Ich möchte, dass Sie sich ein wenig unbequem fühlen“, so Christoph Waffenschmidt, der Vorstandsvorsitzende des Hilfswerks World Vision Deutschland e.V. beim Spätschicht-Abend am 27. Mai 2010. Eigentlich haben sich die Mitgliedstaaten der UNO schon im Jahr 2000 zur Verbesserung der Lage in den Entwicklungsländern zu den so genannten Milleniums-Zielen verpflichtet. Bis 2015 sollten in acht Entwicklungsfeldern entscheidende Erfolge erzielt werden. Dazu zählt z.B. eine Verringerung der immensen Kinder- und Müttersterblichkeit.

Diese Ziele wären realistisch zu erreichen. Insgesamt veranschlagt man dafür 25 Milliarden US-Dollar, freilich eine stolze Summe. Doch was ist das im Vergleich zu den 750 Milliarden Euro (= 930 Milliarden US-Dollar), die kürzlich zur Bewältigung der Euro-Krise kurzfristig bewilligten wurden? Offenbar mangelt es an politischem Willen und am Interesse der Öffentlichkeit.

Dennoch gibt es hoffnungsvolle Ansätze. Bei Kindersterblichkeiten helfen Selbstverständ- lichkeiten wie z.B. ausgebildete Hebammen, Moskito-Netze und bei Durchfall sauberes Wasser. Besonders wirksam bei Existenzgründungen erweisen sich Kleinkredite. Hier könne Entwicklungshilfe nachhaltig ansetzen. Selbst kleine Geldbeträge würden Agrargenossenschaften auf die Sprünge helfen. Waffenschmidt verweist dabei ausdrücklich auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen Ideen im 19. Jh. Not leidenden Landwirten zur Existenz verhalf.

Denjenigen, die sich nach seinem Vortrag „unbequem“ fühlten, schlug Waffenschmidt vor, wenigstens an den eigenen Bundestagsabgeordneten zu schreiben und nach dessen Engagement für die Entwicklungshilfe zu fragen. Wem das zu wenig ist, der kann sich bei World Vision und anderen Hilfswerken über Möglichkeiten der konkreten Hilfe informieren. 

                                                                                                        Walter Graßmann

 

 

29.04.2010

Frauen bewegen die Päpste – weiblicher Einfluss in der Männerkirche

„Verantwortlich sind auch die, die geschwiegen haben“, diese Feststellung bezieht sich nicht auf die aktuelle Diskussion über die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen. Sie stammt vielmehr von Edith Stein, die bereits im April 1933 Pius XI. aufforderte, öffentlich gegen die Judenverfolgung im Deutschen Reich Stellung zu beziehen. Sie werde sich im Laufe der Zeit zu einer Christenverfolgung ausdehnen.

Die Nonne ist nicht die einzige beeindruckende Frau, die ihre Anliegen dem Papst in Briefform zukommen ließ, so Dr. Beate Beckmann-Zöller bei ihrem Vortrag in der Spätschicht. Hildegard von Bingen, Birgitta von Schweden, Caterina von Siena, Mary Ward und Elena Guerra, sie alle haben bedeutende Schreiben hinterlassen. Dabei handelt es sich einerseits um Ratschläge und Prophezeiungen, andererseits um Forderungen, Mahnungen oder  Zurechtweisungen. Clemens VI., ein besonders berüchtigter Papst des 14. Jhs., musste sich von Birgitta gar als „Mörder der Seelen“ beschimpfen lassen.
Ihre Briefe formulierten diese Frauen aber nicht auf der Basis einer einflussreichen Machtstellung oder egoistischer Geltungssucht. Sie waren vielmehr in ihrem persönlichen Glauben demütig. Ihre z.T. heftigen und schwer verständlichen Visionen ließ manche sorgfältig von männlichen Autoritäten prüfen, bei wichtigen Schreiben versicherten sie sich der Hilfe bewährter Theologen. Die Papstkirche wollten sie mitnichten abschaffen, sondern durch die Beseitigung von Missständen wiederhergestellt sehen.

Nicht immer hatten sie bei den Päpsten Erfolg. Dennoch bieten die z.T. aus dem Mittelalter stammenden Briefe Potential für die Zukunft. So entwickelte etwa Hildegard von Bingen ein ausgewogenes Bild von Mann und Frau, die sich in ihrer Andersartigkeit nicht abwerten, sondern gegenseitig ergänzen und wertschätzen. Eine Vision, die sich wohl nicht nur an den Papst richtet.

Beckmann-Zöller, Beate: Frauen bewegen die Päpste. Hildegard von Bingen, Birgitta von Schweden, Caterina von Siena, Mary Ward, Elena Guerra, Edith Stein – Leben und Briefe, Augsburg 2010.
 
Walter Graßmann 

18.03.2010

Warum Menschen ausbrennen und was man dagegen tun kann.

Spätschicht zum Thema Burnout, 18. März 2010

„Das war das Beste, war mir je passiert ist!“ So ergreift mitten im Vortrag eine Besucherin das Wort. Sie sei erst vom Burnout geheilt worden, als sie bei einem Arzt in Therapie ging. Monika Nicklas, Referentin und Systemische Beraterin, bestätigt, dass bei Burnout die Heilung nicht mehr von selbst komme.
Anhand eines siebenstufigen Modells erklärt sie die Merkmale des Syndroms. Sie reichen von chronischer Müdigkeit, gehäuften Infektionskrankheiten bis hin zu Selbstmordversuchen. Im Prinzip sei Burnout mit einer Autobatterie zu vergleichen, die während des Fahrens nicht mehr aufgeladen werde. Bis zu 10% aller Arbeitnehmer würden diesen massiven Erschöpfungszustand erleiden. Zugleich verliert man noch die Möglichkeit sich zu regenerieren. Der rasante Wandel der Arbeitswelt und der gesellschaftlichen Verhältnisse tragen zur Verbreitung von Burnout bei.

Allerdings kann jeder vorbeugen – und zwar mit einfachen Mitteln. Die Ereignisse das Tages Revue passieren lassen und so Abstand gewinnen, regelmäßige Arbeits- und Essenszeiten, acht Stunden Schlaf, Grenzen setzen etc.
Oder um mit Martin Luther zu sprechen: „Wenn ich besonders viel zu tun habe, dann nehme ich mir besonders viel Zeit zum Beten!“
                                                                                                   Walter Graßmann

 

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28.01.2010

Spätschicht und die jüdische Künstlerin Maria Luiko:

Eine Vertreterin der verlorenen Generation


425 $ sind 1941 ein bis zwei Monatsgehälter in den USA. Oder die Summe, die verlangt wird, wenn ein jüdischer Flüchtling aus Deutschland ausreisen will. Maria Luise Kohn ist auf der Suche nach eben diesem Geld, denn sie will zusammen mit ihrer Schwester Elisabeth auswandern.

Die beiden entstammten einer bürgerlichen Münchner Familie, berichtet die Kunsthistorikerin Diana Oesterle bei ihrem Vortrag am 28. Januar 2010 in der Spätschicht. Den Schwestern haben die Eltern eine gediegene Ausbildung ermöglicht, beide leiden seit 1933 unter den Repressionen der nationalsozialistischen Machthaber.

Dabei begann Maria Lui(se) Ko(hns) Laufbahn viel versprechend. Als eine der ersten Frauen wurde sie an der Kunstakademie zugelassen. Luiko studierte bei Karl Caspars und setzte sich unter der Anleitung ihres Lehrers intensiv mit modernen Formen religiöser Kunst auseinander, was sie noch lange begleitete. Dann wandte sie sich eher weltlichen Themen zu und schloss sich der avantgardistischen Künstlergruppe der „Juryfreien“ an. Es folgten produktive Jahre, die u.a. durch Ausstellungen im berühmten Glaspalast gekrönt wurden.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete einen tiefen Einschnitt in Luikos Leben. Die neuen Herren verdrängten die jüdische Künstlerin, so die Referentin, aus der breiten Öffentlichkeit in eine immer kleiner werdende Nische. Neben einem Ausstellungsverbot, dem Verlust der angestammten Wohnung und des Ateliers musste Maria Luiko ihren Künstlernamen verzichten, ein schmerzhafter Angriff auf ihre Identität.

Maria Luiko reagierte, ihre Werke wurden politischer, zeigen Motive der Beklemmung, Verfolgung und Deportation. Auch religiöse Themen gewannen wieder an Bedeutung, wovon z.B. die Gestaltung eines Exlibris mit dem Bild einer Thorarolle Zeugnis ablegt. Die Not muss groß gewesen sein, denn der letzte erhaltene Brief beinhaltet Zeichen der Resignation.

Von etwa 9000 Mitgliedern, die die jüdische Gemeinde 1933 in der Hauptstadt der Bewegung zählte, erlebten nur sieben das Jahr 1944 in München. Maria Luiko gehörte nicht zu ihnen. Zwar konnten Freunde endlich die 425 $ aufbringen, doch das Geld kam zu spät. Im November 1941 wurde Maria Luiko aus der Landwehrstraße 6 ins deutsch besetzte Litauen deportiert und vermutlich in Kaunas ermordet.

Walter Graßmann

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Kulturbistro
"Spätschicht - sprich mit."

 Miriam Berg
Tel. 0176 320 44 268

Wo?
CVJM-Haus, Landwehrstraße 13

Wann?
donnerstags, einmal im Monat
Einlaß+Buffet ab 19.00 Uhr 
Programm     um 20.00 Uhr

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Rückblick:  hier