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(c) privat

 

17. Januar 2008

Schwester Bernadette Brommer stellt
die »Aktion Auswege« vor.

Neugierig verfolgen die Zuschauer das Gespräch auf der Bühne, daneben beäugen zwei Kameras eines christlichen Fernsehens das Geschehen. Schwester Bernadette stellte die „Aktion Auswege“ vor.

Wie es begann

     2005 meldeten sich im Pfarrbüro von St. Joseph immer mehr arbeitslose Menschen. Ihre Bitte lautet: „Macht doch etwas für uns" Daraus entstanden zunächst regelmäßige Treffen. Um den Betroffenen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, starteten Bewerbungstrainings, dazu fertigte man Empfehlungen an Firmen aus.

     „Eines ergibt sich aus dem anderen.“ Ganz bescheiden erläutert die Schwester in Ordenstracht ihre vielen caritativen Projekte. So sehr sich der Moderator auch müht – mehr als eine Handvoll Sätze je Initiative sind ihr nicht zu entlocken. Daß es trotzdem zu einer halben Stunde Interview reicht, liegt wohl daran, daß Schwester Bernadette gleich eine ganze Reiche solcher Projekte angestoßen hat. Da sich die Arbeitslosigkeit auch auf die Familie und ganz besonders auf die Kinder auswirkt, sprang der Bezirksausschuß ein und stellte einen Raum in der Arcisstraße zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der „Münchner Tafel“ gelang es, etwas zur Verbesserung der oft mangelhaften Ernährung zu erreichen.

     Im Laufe der Zeit stießen Spender zur Initiative, Netzwerke und Nachbarschaftshilfen entstanden, eine Psychologin und ein Rechtsanwalt boten freiwillig Hilfe an. Schwester Bernadette fand schließlich Zugang zum Sender „Lora“, wo sie Projekte in der Sendung „Gegensprechanlage“ vorstellen kann. Kurzfilme produzierte sie mit arbeitslosen Schauschpielern, mit denen eine Selbsthilfegruppe gebildet werden konnte. Ein weiteres Projekt dreht sich um gesundes Kochen mit Hartz-IV-Empfängern. Die Idee entstand aus der Not, daß viele Betroffene mit ihren knapp bemessenen Mitteln oft das Wissen fehlt, wie man seine Mahlzeiten gesund und gleichzeitig preiswert zubereiten kann. Schwester Bernadette fahndet noch nach geeigneten Rezepten.

     Die Motivation für die vielen Aufgaben und Projekte liefert ihr ihr Glaube. Ohne den Halt bei Gott käme sie mit den Herausforderungen nicht zurecht. Schwester Bernadette sieht sich nicht von den Menschen, sondern von ihrem Schöpfer abhängig. Die Bibel ist ihr wichtig, jeden Tag liest sie darin. Ihr Motto lautet: „Nicht reden, sondern handeln.“ Jeder Mensch habe eine eigene Berufung, jeder könne etwas. Finde man diese Berufung nicht gleich, so könne man eines nach dem anderen durchprobieren.

Zukunftspläne

     Für die nächste Zeit hat Schwester Bernadette große Pläne. Sie sucht ein Haus mit 700 qm. Für das Benedikt-Café. Dort sollen ein Mittagstisch eingerichtet werden, eine Künstleragentur ihren Platz finden, kleine Betriebe und Firmen einziehen usw. Wie sie bei der Suche vorgeht? „Eines ergibt sich aus dem anderen.“
                                                                                             Walter Graßmann

 

 

 

Dr. Annegret Braun (c) privat

 

21. Februar 2008

Sind Sie glücklich?

Über Glücksrezepte & Glückserlebnisse.

 

 

 Alle Menschen wollen glücklich sein.
                                            Aristoteles

Ja, renn nur nach dem Glück,
doch renne nicht zu sehr!
Denn alle rennen nach dem Glück,
das Glück rennt hinterher.
                                    Bertold Brecht  

 

    Zuerst die schlechten Nachrichten. Es gibt kein dauerhaftes Glück. Und: Um glücklich zu sein, müssen Menschen das Unglück kennen. Dies sind einige der Grundaussagen des Vortrags „Sind Sie glücklich?“ von Dr. Annegret Braun am 21. Februar 2008. Dr. Braun untersuchte in einem Seminar am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie an der LMU das Thema „Glückssuche und Glückserleben im Alltag“. Etwa 700 Glückserlebnisse wurden gesammelt. „Glück“, so die Ergebnisse, lässt sich in drei verschiedene Kategorien unterteilen, nämlich in Euphorie, also Hochgefühl, Freude und Zufriedenheit.

    Dabei kann uns das euphorische Glück unvermittelt und überraschend begegnen, etwa in Form eines wunderbaren Regenbogens nach einem Unwetter. Dagegen ist Zufriedenheit eine Form von Glück, die nicht ganz so intensiv wie die Euphorie, dafür aber lange anhaltend ist. Man ist mit seinem Leben, seiner Ehe, den Kindern usw. zufrieden. Dazwischen steht die Freude. Bei ihr kann es sich z.B. um eine Vorfreude auf ein gutes Essen handeln.

    Das Gute dabei ist, dass Menschen Glück in Form von Freude und Zufriedenheit „lernen“ oder schaffen können. Wer glücklich sein will, der sollte z.B. in Beziehungen zur Familie und zu den Freunden investieren. Hilfsbereite Menschen sind besonders glücklich. Außerdem hilft es, sich selbst, mit allen Stärken und Schwächen akzeptieren. Ganz wichtig ist, seine Talente im Beruf, im Hobby oder Ehrenamt einzusetzen. Wer in seiner Tätigkeit aufgeht, der erlebt häufig eine Art „Flow“-Gefühl. Allerdings können wir Euphorie nur schwer  „erlernen“. Diese Art von Glücksgefühl wird durch Überraschungsmomente ausgelöst – und die sind selten planbar.

    Zudem ist nur glücklich, wer auch genießen kann. Die angestrengte Suche aber nach dem Glück kann unglücklich machen. Dauerhaftes Glück scheint es nicht zu geben, denn um Glück erleben zu können, so die Referentin, muss der Mensch auch die Traurigkeit kennen.

    In diesem Zusammenhang kann man darauf verweisen, dass religiöse Menschen glücklicher sind. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sie im Unglück noch einen anderen Lebenssinn haben. Dennoch sollte man den Wert des Glücks nicht schmälern. Gott hat, so Annegret Braun, dem Menschen nicht nur das Bedürfnis gegeben glücklich zu sein, sondern auch die Fähigkeit, Glück zu empfinden. Um  ihm zu begegnen, muss man manchmal nur genauer hinsehen. Das wird deutlich an einer Definition von Glück, die der siebenjährige Max in der Studie gab. Er sagt: „Glück ist, wenn man keinem Bären oder Löwen begegnet.“ Es gibt also viele Gründe glücklich zu sein.
                                                                                                   Walter Graßmann

 

 

© ThiloundBernd

27. März 2008

Comedy-Abend mit ThiloundBernd

Entspannung durch Humor, wie Verena Reiner in ihrer Moderation ankündigte, war tatsächlich angesagt durch das Comedy-Duo "ThiloundBernd": Thilo Krämer (30), Single, Werbetexter in München und Bernd Bentele (32), verheiratet, 1 Sohn, Personaler in einer Elektronikfirma in Ravensburg. Die zwei strapazierten unsere Lachmuskeln mit Impro-Theater, klassischen Sketchen, Pantomime und Ausdruckstanz ("Wer Liebe lebt"). Thilo und Bernd treten seit zehn Jahren zusammen auf, geben auf christlichen Kongressen Anspiele oder gestalten Jugendgottesdienste mit. Sie schreiben ihre Stücke - mit mehr oder weniger Tiefgang - selbst, und führten uns in mehreren Dialekten des In- und Auslandes durch den Abend.

Es wurden zum einen christliche Themen parodiert, wie z.B. verschiedene Variationen der Geschichte vom verlorenen Sohn, eine konservative und eine "jugendliche" Variante von Psalm 23 und eine missglückte Evangelisation "Kennst Du Jesus? - Ach, den spanischen Fußballspieler?" Zum anderen nahmen die zwei aber auch typische Fernsehsendungen auf den Arm: die Tiersendung, in der Thilo als Huhn und Gorilla auftritt... oder die Fernseh-Wahrsagerin "Esmeralda", die dem Ronny (alias Bernd mit ostdeutschem Dialekt) die Zukunft voraussagt und uns mit unglaublichen Selbstverständlichkeiten zum Lachen brachte. Der "Versöhnungs"-Sketch war für viele der Höhepunkt des Abends: Zwei Freunde beten zusammen, werden aber beim Anblick einer schönen Frau zu erbitterten Konkurrenten. Sie versuchen, sich gegenseitig auszuschalten, und das auf eine für älteres Publikum sicher eher geschmacklose Weise, wie es Jugendliche aber eben aus Comics kennen: Der jeweils andere wird grausam zersägt, erschossen, mit Stromstößen malträtiert usw., was aber alles nichts hilft. Am Ende kommt Bernd auf die Idee, bei Thilo einfach den Stöpsel zu ziehen und Thilo sinkt wie ein Luftballon unter großem Zappeln zu Boden. Bernd pumpt ihn aus Mitleid dann wieder auf, bis Thilo so aufgeblasen ist, dass er fast abhebt. Plötzlich ertönt eine Stimme vom Himmel, beide drehen sich von einander weg mit verschränkten Armen - Gott spricht zu ihrem Gewissen. Jeder weist jegliche Schuld von sich ab und deutet auf den anderen: Der hat mir das und das angetan, der ist schuld. Es geht eine Weile, am Ende aber: Versöhnung.

Natürlich kann man das alles nicht nacherzählen (besser unter www.thiloundbernd.de Bilder anschauen). Es war ein gelungener Abend mit ca. 80 Gästen, so dass das Büffet mehrmals erneuert werden musste und sich an der Theke Schlangen bildeten - und der Gesprächsstoff reichte bis kurz vor Mitternacht.
                                                                                          Beate Beckmann-Zöller

24.April 2008

Das Klima: Der Wandel und wir

Referent: Dr. Volker Rapp

 

Schon seit langem ist Archäologen eine ehemalige Wikingersiedlung auf Grönland bekannt. Die Nordmänner lebten in einer entwickelten Zivilisation, die große Ähnlichkeit mit den damaligen Verhältnissen in Europa besaß. Im Laufe des 14. Jahrhunderts änderte sich jedoch das Klima: eine kleine Eiszeit brach aus, die Temperaturen sanken. Eine Zeitlang stemmten sich die Wikingersiedler gegen die Kälte, doch sie konnten ihre althergebrachten Methoden im Ackerbau und Viehzucht nicht denen der offenbar kälteresistenten Eskimos anpassen. Schließlich musste die Siedlung aufgegeben werden.

Auch heute ändert sich das Klima. Dr. Volker Rapp, Physiker, verweist in seiner Präsentation auf die seit 1975 kontinuierlich ansteigende mittlere Jahrestemperatur. Eine der Folgen ist das Abschmelzen des Eises an den Polkappen.

Dies bekommt z.B. Grönland zu spüren. Die Insel ist zu ca. 85 % von Eis bedeckt, der Eispanzer hat z.T. eine Dicke von mehreren Kilometern. Wenn dieses Eis zur Gänze schmelzen würde, dann könnte der Wasserspiegel weltweit um bis zu sieben Meter ansteigen. Dazu müssten die Temperaturen für längere Zeit global um mindestens 2° Celsius ansteigen. Das entstehende Schmelzwasser könnte eine Veränderung der Meereströmungen bewirken. Die Folgen wären nur schwer abzusehen.

Wie aber werden wir mit den Veränderungen umgehen? Halten wir wie die mittelalterlichen Wikinger an unseren eingefahrenen Lebensgewohnheiten fest? Oder finden (und begehen) wir neue Wege?

Nach Einschätzung des Referenten müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eine wichtige Rolle bei der Lösung der anstehenden Probleme spielen. Bemerkenswert jedoch ist, so Volker Rapp, dass jeder einzelne persönlich sehr viel zur Verlangsamung des Klimawandels beitragen könne, ohne zuerst die große Politik und die Wirtschaft bemühen zu müssen.

So kann bei neuen Häusern der Einbau einer Wärmepumpe den Verbrauch von Heizenergie deutlich senken. Die Bepflanzung kahler Flächen trägt auch in Mitteleuropa zur Kühlung der Umgebungstemperatur bei. Oder einfach mal abschalten: Laut focus.de tragen „elektronische Geräte, die nicht ausgeschaltet werden", 4,5 % zum deutschen Stromverbrauch bei. Umgerechnet sind das alleine Kosten von jährlich ca. 2,5 Mrd. Euro.
                                                                                                    Walter Graßmann

4. Mai 2008



Stadtspaziergang durch München  

 

12 waagrecht: Bayerisches Wappentier aus der Pfalz? Was war das gleich noch mal? Diese und andere Fragen beschäftigten die Teilnehmer des Spätschicht-Stadtspaziergangs am 4. Mai 2008. Bei strahlendem Sonnenschein ging es vom Gasteig über’s Isartor, den Marienplatz, den Alten Peter zum Jüdischen Museum am St.-Jakobs-Platz.   

Die Geschichten und Anekdoten zur Münchner Stadtgeschichte unter der Anleitung von Walter Graßmann erhielten noch ein besonderes bajuwarisches Flair: Hunderte von Gebirgsschützen zogen zeitgleich mit Marschmusik durch die Straßen der Landeshauptstadt. Es war der Patronatstag der wackeren Schützen, ein Umstand, der anhand der Mariensäule, einiger Stellen aus den Psalmen, sowie aus der Offenbarung und ihrer Bedeutung für Bayern gut aufgezeigt werden kann. Bei einem wohlverdienten Kaffee am Ende der Tour gab es dann noch ein Kreuzworträtsel zur Münchner Geschichte zu lösen. Ach ja, 12 waagrecht: Der bayerische Löwe kommt ursprünglich aus der Pfalz.

 

 

 

26. Juni 2008



Quelle: AZ, 08.05.08, S.22
Dr. Herbert Lauenroth

 

Durchlichtete Nacht -
Anmerkungen zu Franz Kafka

 

Heimkehr und Geheimnis

 

 „Der Mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem in sich, wobei sowohl das Unzerstörbare als auch das Vertrauen ihm dauernd verborgen bleiben können.“

Franz Kafka, Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg

Kafkas Parabel „Die Heimkehr“ ist schnell erzählt: Der Sohn kommt am väterlichen Bauernhof an, doch alles scheint feindlich oder abweisend. Die Katze lauert, zerbrochenes Werkzeug versperrt den Weg, eine dreckige Pfütze springt ins Auge. Niemand empfängt den Heimkehrer. Ratlos und lauschend bleibt er vor der verschlossenen Türe stehen. Er hört die Stimmen aus der Küche. Näher aber kommt er nicht – alles hinter der Tür bleibt ein Geheimnis (zum Text vgl. gutenberg.spiegel.de).

Es gibt wohl wenige Leser, die von Kafkas häufig albtraumhaften Texten nicht verstört werden. Im Kontrast mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn wirkt Kafka noch trostloser. Wie freudig begrüßt der Vater seinen lange vermissten Sohn! Der Heimkehrer wird neu eingekleidet, er erhält den väterlichen Ring, ein fröhliches Fest wird gefeiert (Lk 15,11-24).

Wie lässt sich vor diesem Hintergrund Hoffnung aus Kafkas Werk schöpfen? Dazu gab Dr. Herbert Lauenroth einige Anregungen. Lauenroth ist Literaturwissenschaftler und gehört zum Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring bei Augsburg. Bei seinem angenehm zu verfolgenden Vortrag am 26. Juni 2008 ging er intensiv auf verschiedene Aspekte in Kafkas Werk ein. Etwa 40 Zuhörer entschieden sich, trotz der ungleichen Konkurrenz durch ein EM-Halbfinale, für Kafka, dem Siedler im Grenzland zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft, und konnten schließlich noch etwas Zuversicht gewinnen.

Der Sohn scheitert nicht ganz. Immerhin horcht er hinein, ist mit etwas Abstand dabei, wenn er die Geräusche aus dem Inneren des Hauses hört. Woher er auch kommen mag - er ist beim Geheimnis angelangt. So kann man den Rückkehrer aus der eingangs geschilderten Parabel auch als Heimkehrer in ein Geheimnis verstehen. Eine Ge-Heimkehr also, so Dr. Lauenroth.
                                                                                                 Walter Graßmann


Ein Mitschnitt dieses Vortrags ist an der Rezeption des CVJM-Hotels für 2,-€ bestellbar.

 

10. Juli 2008



© ojc

 "Vom Unbehagen der Geschlechter: Chancen und Risiken von Gender-Mainstreaming und Gender-Ideologie"

Referentin: Dr. Christl Ruth Vonholdt, Reichelsheim

„Heute sind viele Utopien von damals Wirklichkeit geworden“ , so äußerte sich jüngst Helene Wildfeuer, Vorsitzende der Bundesfrauenvertretung des Deutschen Beamten Bunds (DDB), über die Umsetzung von Gender Mainstreaming in Bund und Ländern. Aber was sind die Utopien des Gender Mainstreamings, die der nicht eben als revolutionär geltende Beamtenbund umgesetzt sehen will? Hier ist zu berücksichtigen, dass der Begriff „Gender Mainstreaming“ in vielen Bereichen unscharf ist. Darauf wies Dr. Christl Ruth Vonholdt bei einem Vortrag am 10. Juli 2008 beim CVJM München e.V. hin. Der Abend, der im Rahmen der Spätschicht zusammen mit der Christliche Hochschulinitiative von Professoren und Studenten (CHIPS) veranstaltet wurde, war mit über 100 Zuhörern gut besucht.

Sex und/oder Gender?
Vielfach wird unter Gender Mainstreaming so etwas wie Gleichstellung oder Gleichberechtigung von Mann und Frau – etwa bei der Bezahlung – verstanden.  Doch die Wurzeln der Gender-Ideologie gehen tiefer.. Im Englischen gibt es zwei Begriffe für „Geschlecht“, nämlich „sex“ und „gender“. „Sex“ bezieht sich auf das biologische Geschlecht. „Gender“ bezieht sich dagegen auf Mann und Frau als soziales Wesen. Beides wird oft synonym gebraucht. Seit einiger Zeit betonen jedoch radikale Feministinnen den Begriff „gender“. „Gender“ sei eine gesellschaftlich konstruierte Geschlechtsrolle, die veränderbar und nicht an das biologisch vorgegeben Geschlecht („sex“) geknüpft sei.

Um Frauen aus ihrer Benachteiligung zu befreien, greifen die Vertreter der Gender-Ideologie auf Ansätze von Marx und Engels zurück. Die bloße Einteilung in Mann und Frau sei die Quelle der Ungerechtigkeiten, deswegen müsse man Gleichheit dadurch erreichen, dass man die „Klasse“ des Geschlechts abschafft. So dürfe das biologische Geschlecht keine größere Bedeutung als die Augenfarbe haben. Letztlich, so Dr. Vonholdt, gehe es bei diesem Aufweichen der Kategorie „Geschlecht“ um die Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit sowie um die Austauschbarkeit von Mann und Frau.

Gender-Fluidität
Durch die Abwertung von des biologischen Geschlechts („sex“) und der Loslösung der gesellschaftlich konstruierten Geschlechterrolle („gender“) sei eine beliebige Veränderbarkeit möglich. Das Geschlecht sei nicht mehr eindeutig zu bestimmen, denn ein Mensch könnte so jederzeit frei unter einer Vielzahl verschiedener Gender auswählen. Eine operative Geschlechtsumwandlung wäre so nicht nötig. Die zahllosen Gender müssten, so Frau Vonholdt, gleichgestellt werden, Begriffe wie „Gleichheit“, „Ehe“ sowie „Familie“ erhielten zwangsläufig neue, ganz andere inhaltliche Füllungen. Eine Verundeutlichung und Verwirrung der Sprache sei eine der Folgen von Gender.

Schwangerschaft und Mutterschaft stellen das Haupthindernis bei der Durchsetzung dieser neuen Gleichheit dar. So fordern Protagonisten der Gender-Ideologie häufig statistische Gleichheit, etwa die verpflichtende 50%-Quotengleichheit in allen Arbeits- und Lebensbereichen.

Wie Dr. Vonholdt betonte, spricht nichts gegen eine stärkere Beteiligung von Männern an der Kindererziehung. Eine starre Quotengleichheit entspreche aber einerseits nicht den unterschiedlichen Begabungen vieler Männer und Frauen. Zudem würden etwa Frauen, die stillen, eine Quotengleichheit unmöglich machen. Deswegen wird im Zusammenhang mit Gender immer wieder die freie Möglichkeit zur Abtreibung eingefordert. Mit der Austauschbarkeit von Mann und Frau würde es in Zukunft also um sehr viel Grundsätzlicheres als „nur“ um Chancen- oder Rechtsgleichheit gehen.

Identitätszerstörung
Auf lange Sicht würde die Gender-Ideologie bei vielen Personen zur Zerstörung ihrer Identität führen. Gerade vor diesem Hintergrund sei es ausgesprochen kritisch zu bewerten, wenn Vertreter der Gender-Ideologie gezielt darauf hinarbeiten, ihre Ideen in Kindergärten und Schulen umzusetzen. Junge Menschen seien sich über ihre Identität noch nicht im Klaren und könnten durch die beschriebene Strategie der Veruneindeutlichung bedeutenden Problemen ausgesetzt werden.

Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Risiken der Gender-Ideologie. Auf die möglichen Chancen von Gender wurde nicht näher eingegangen. Vielleicht hätte man so erklären können, wie sich diese Ideologie bemerkenswert schnell nicht nur in der UNO, EU, der deutschen Bundesregierung, sondern auch in einigen evangelischen Kirchen und im Deutschen Beamtenbund durchsetzen und dort auf die Agenda gelangen konnte. Im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Vonholdt entspannte sich eine intensive Diskussion. Sie wurde in vielen einzelnen Gruppen bis weit in den Abend hinein fortgesetzt.
                                                                                                   Walter Graßmann

Dr. Christl Ruth Vonholdt, Leiterin des "Deutsche Insitut für Jugend und Gesellschaft" (Reichelsheim) führte ruhig und ausführlich durch das überaus interessante Thema.
Das DIJG forscht und informiert über zukunftsfähige Lebensgrundlagen in den Bereichen Identität, Sexualität, Ehe und Familie, Anthropologie.

Mitschnitt:
Ein Mitschnitt dieses Vortrags ist an der Rezeption des  CVJM-Hotels für 2,-€ bestellbar.

Bücher:

  • Christl Ruth Vonholdt (Ed.): Striving for Gender Identity: Homosexuals and Christian Counseling. A workbook for the Church. Reichelsheim 1996, Selbstverlag
  • Christl Ruth Vonholdt, Gerhard Besier und Hermann Klenk: Christliche Hoffnung, Weltoffenheit, Gemeinsames Leben. Gelbe Mammuts auf dem Berg. Festschrift für Horst-Klaus Hofmann, Brunnen-Verlag, Gießen 1998, ISBN 3-7655-6326-9
  • Christl Ruth Vonholdt, Andreas Laun, Norbert Geis et at. (Hrsg.): Homo-Ehe. Nein zum Ja-Wort aus christlicher Sicht. Zisterzienserkonvent Langwaden, 2001, ISBN 3-934551-34-3
  • Vonholdt, Christl (Hrsg.): „Verwundete Weiblichkeit” -  Homosexuell empfindende Frauen verstehen, Brunnen Verlag Gießen 2005, ISBN 3-7655-1348-2

Sonstige Veröffentlichungen:

  • Dr. Christl Ruth Vonholdt: Bulletin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft, Reichelsheim (erscheint zweimal jährlich)

25. September 2008



Auf dem Weg zum Schloss: Simplify Your Love mit Werner Tiki Küstenmacher


Jetzt also die Liebe. Werner Tiki Küstenmacher, evangelischer Pfarrer und Autor, gab sich die Ehre. Vor etwa 130 Zuhörern breitete er seine Gedanken über gelingende Beziehungen aus. Doch was heißt eigentlich Zuhörer? Der witzige Vortrag wurde durch live erstellte Karikaturen treffend untermalt: Die liebevollen Zeichnungen sorgten mit dafür, dass sich niemand auf dem Weg zwischen den verschiedenen Stationen der Liebe verirren musste. Der Turm, das Zelt, der Gutshof, ein finsterer Wald und schließlich das Schloss, dies alles, so Küstenmacher, seien die markanten Wegmarken für ein Paar.

Sowohl die positive Rolle religiöser Grundwerte als auch die Grenzen ihres Einflusses auf eine Beziehung wurden ausdrücklich hervorgehoben. Ganz nebenbei gab es noch eine elegante Definition des Begriffs der „Liebe“. Die setze sich aus den Aspekten Eros, Amor, der sich auf einen einzigen Menschen bezieht, und Agape zusammen. Küstenmacher unterstrich, dass Liebe eben nicht alleine aus Sex bestehe.

Etwa 130 Besucher sorgten dafür, dass der große Saal in der Landwehrstraße 13 gut gefüllt war. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem Erwachsenentreff getragen. Bar und Buffet erfuhren reichlich Zuspruch. Schließlich gab es noch eine Signierstunde und lange Gespräche. Zur Freude der Gäste verzierte Küstenmacher viele Bücher mit seinen typischen Karikaturen.

Interessenten, die sich auf ihrem Weg auf den fünf Stationen der Liebe anregen lassen wollen, dürfen sich auf die Fernsehübertragung des Vortrags freuen. Eine Aufzeichnung dieses Abends wird das  Christliche Fernsehen München auf der Sendefrequenz von münchen.tv bzw. München 2 an folgenden Terminen ausstrahlen:

Sonntag, 12. Oktober 2008, um 10.30 Uhr und
Samstag, 18. Oktober 2008, um 18.30 Uhr

Der Audio-Mitschnitt auf CD ist für 2,- Euro an der Rezeption des CVJM-Hotels in der Landwehrstraße 13 erhältlich.
                                                                                                 Walter Graßmann 

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Tel. 089 38909173

Wo?
CVJM-Haus, Landwehrstraße 13

Wann?
donnerstags, einmal im Monat
Büfett ab 18.30 Uhr 
Programm um 20 Uhr