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Von München nach Kroatien mit dem Fahrrad

In den Sommerferien nach Kroatien zu fahren ist schon mit dem Auto eine nervenaufreibende und anstrengende Angelegenheit, die eine Familie an den Rand der Verzweiflung treiben kann. 27 Jungen zwischen 13 und 16 Jahren und 10 Mitabeitern war diese Herausforderung nicht genug. Sie fuhren die Strecke mit über 600 km mit dem Fahrrad. Die Route führte durch fünf Länder und über mehrere Pässe, dabei mit dem Großglockner der höchste Pass Österreichs. Die letzten hundert Kilometer fuhren wir großteils bei Temperaturen um 30 Grad im Schatten, wobei Schatten jedoch selten zu finden war.

Ich bin stolz und glücklich, dass ich auf dieser Freizeit Jugendliche erleben durfte, wie sie in Zeitungen selten beschrieben werden. Diese Jugendlichen verließen gleich am ersten Ferientag ihr Bett und ihren Computer, um sich auf ein Abenteuer einzulassen, das schier nicht zu schaffen schien. Sie hatten sich ein Ziel gesetzt, dass sie nun gewissenhaft und sehr ausdauernd verfolgten. Sie ließen sich durch Rückschläge, Anstrengung und Schmerzen nicht entmutigen sondern setzten sich mit ganzer Kraft dafür ein, dass jeder dieses Ziel erreichte. Dabei nahmen sie aufeinander Rücksicht und halfen sich gegenseitig, wo immer es nötig war. Dadurch erlebten die Jungs sieben wunderschöne und abwechslungsreiche Fahrradtage, zum Beispiel im Hochgebirge, im grünen Soccatal und in mediterranen Gebieten.

In Kroatien schlugen wir unser Lager für vier Tage auf einem Campingplatz auf, der leider von vielen Anderen dazu benutzt wurde, um Party zu machen. Hier zeigten sich andere Qualitäten der Jungs: Sie suchten nicht wie viele andere die Zerstreuung bei den Partys, bei Mädchen oder beim Alkohol (was selbstverständlich verboten gewesen wäre), sondern blieben bei unserer Gruppe, um miteinander Spiele zu machen, ans Meer zu gehen und sehr ernsthaft Gespräche über ihr Leben und über den Glauben zu führen. Strafen und Verbote waren dabei unnötig.

Ein Höhepunkt war die Tour über den Großglockner, bei der wir mehrere Stunden ohne Pause steil bergauf fahren mussten und am Ziel nur knapp unter 3000 Höhenmetern angelangt waren . Der zweite Höhepunkt war ein Gebetsabend in einer kleinen kroatischen Kirche, bei dem fast alle einen langen Brief an Gott schrieben, ihm dankten und für sich selbst und für andere beteten.

Ich freue mich über diese Generation Jugendlicher, ebenso wie über die Jungen Männer, die die Fahrradgruppen in absoluter Zuverlässigkeit und Selbstlosigkeit leiteten und den Jungs ihr ganzes Leben offen legten, um die Freundschaft mit ihnen zu suchen und ihnen zu zeigen, wie wertvoll sie sind. Um unser Land mache ich mir keine Sorgen, wenn solche Eigenschaften den Alltag ebenso bestimmen, wie sie diese Freizeit bestimmt haben. Es lohnt sich, sich dafür einzusetzen, aber ebenso dafür zu beten, denn ohne Gottes Hilfe war und ist das unmöglich.
Sven Siegle

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