 - (c) privat
17. Januar 2008
Schwester Bernadette Brommer stellt die »Aktion Auswege« vor.
Neugierig verfolgen die Zuschauer das Gespräch auf der Bühne, daneben beäugen zwei Kameras eines christlichen Fernsehens das Geschehen. Schwester Bernadette stellte die „Aktion Auswege“ vor.
Wie es begann
2005 meldeten sich im Pfarrbüro von St. Joseph immer mehr arbeitslose Menschen. Ihre Bitte lautet: „Macht doch etwas für uns" Daraus entstanden zunächst regelmäßige Treffen. Um den Betroffenen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, starteten Bewerbungstrainings, dazu fertigte man Empfehlungen an Firmen aus.
„Eines ergibt sich aus dem anderen.“ Ganz bescheiden erläutert die Schwester in Ordenstracht ihre vielen caritativen Projekte. So sehr sich der Moderator auch müht – mehr als eine Handvoll Sätze je Initiative sind ihr nicht zu entlocken. Daß es trotzdem zu einer halben Stunde Interview reicht, liegt wohl daran, daß Schwester Bernadette gleich eine ganze Reiche solcher Projekte angestoßen hat. Da sich die Arbeitslosigkeit auch auf die Familie und ganz besonders auf die Kinder auswirkt, sprang der Bezirksausschuß ein und stellte einen Raum in der Arcisstraße zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der „Münchner Tafel“ gelang es, etwas zur Verbesserung der oft mangelhaften Ernährung zu erreichen.
Im Laufe der Zeit stießen Spender zur Initiative, Netzwerke und Nachbarschaftshilfen entstanden, eine Psychologin und ein Rechtsanwalt boten freiwillig Hilfe an. Schwester Bernadette fand schließlich Zugang zum Sender „Lora“, wo sie Projekte in der Sendung „Gegensprechanlage“ vorstellen kann. Kurzfilme produzierte sie mit arbeitslosen Schauschpielern, mit denen eine Selbsthilfegruppe gebildet werden konnte. Ein weiteres Projekt dreht sich um gesundes Kochen mit Hartz-IV-Empfängern. Die Idee entstand aus der Not, daß viele Betroffene mit ihren knapp bemessenen Mitteln oft das Wissen fehlt, wie man seine Mahlzeiten gesund und gleichzeitig preiswert zubereiten kann. Schwester Bernadette fahndet noch nach geeigneten Rezepten.
Die Motivation für die vielen Aufgaben und Projekte liefert ihr ihr Glaube. Ohne den Halt bei Gott käme sie mit den Herausforderungen nicht zurecht. Schwester Bernadette sieht sich nicht von den Menschen, sondern von ihrem Schöpfer abhängig. Die Bibel ist ihr wichtig, jeden Tag liest sie darin. Ihr Motto lautet: „Nicht reden, sondern handeln.“ Jeder Mensch habe eine eigene Berufung, jeder könne etwas. Finde man diese Berufung nicht gleich, so könne man eines nach dem anderen durchprobieren.
Zukunftspläne
Für die nächste Zeit hat Schwester Bernadette große Pläne. Sie sucht ein Haus mit 700 qm. Für das Benedikt-Café. Dort sollen ein Mittagstisch eingerichtet werden, eine Künstleragentur ihren Platz finden, kleine Betriebe und Firmen einziehen usw. Wie sie bei der Suche vorgeht? „Eines ergibt sich aus dem anderen.“ Walter Graßmann
 - Dr. Annegret Braun (c) privat
21. Februar 2008
Sind Sie glücklich?
Über Glücksrezepte & Glückserlebnisse.
Alle Menschen wollen glücklich sein. Aristoteles
Ja, renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr! Denn alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher. Bertold Brecht
Zuerst die schlechten Nachrichten. Es gibt kein dauerhaftes Glück. Und: Um glücklich zu sein, müssen Menschen das Unglück kennen. Dies sind einige der Grundaussagen des Vortrags „Sind Sie glücklich?“ von Dr. Annegret Braun am 21. Februar 2008. Dr. Braun untersuchte in einem Seminar am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie an der LMU das Thema „Glückssuche und Glückserleben im Alltag“. Etwa 700 Glückserlebnisse wurden gesammelt. „Glück“, so die Ergebnisse, lässt sich in drei verschiedene Kategorien unterteilen, nämlich in Euphorie, also Hochgefühl, Freude und Zufriedenheit.
Dabei kann uns das euphorische Glück unvermittelt und überraschend begegnen, etwa in Form eines wunderbaren Regenbogens nach einem Unwetter. Dagegen ist Zufriedenheit eine Form von Glück, die nicht ganz so intensiv wie die Euphorie, dafür aber lange anhaltend ist. Man ist mit seinem Leben, seiner Ehe, den Kindern usw. zufrieden. Dazwischen steht die Freude. Bei ihr kann es sich z.B. um eine Vorfreude auf ein gutes Essen handeln.
Das Gute dabei ist, dass Menschen Glück in Form von Freude und Zufriedenheit „lernen“ oder schaffen können. Wer glücklich sein will, der sollte z.B. in Beziehungen zur Familie und zu den Freunden investieren. Hilfsbereite Menschen sind besonders glücklich. Außerdem hilft es, sich selbst, mit allen Stärken und Schwächen akzeptieren. Ganz wichtig ist, seine Talente im Beruf, im Hobby oder Ehrenamt einzusetzen. Wer in seiner Tätigkeit aufgeht, der erlebt häufig eine Art „Flow“-Gefühl. Allerdings können wir Euphorie nur schwer „erlernen“. Diese Art von Glücksgefühl wird durch Überraschungsmomente ausgelöst – und die sind selten planbar.
Zudem ist nur glücklich, wer auch genießen kann. Die angestrengte Suche aber nach dem Glück kann unglücklich machen. Dauerhaftes Glück scheint es nicht zu geben, denn um Glück erleben zu können, so die Referentin, muss der Mensch auch die Traurigkeit kennen.
In diesem Zusammenhang kann man darauf verweisen, dass religiöse Menschen glücklicher sind. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sie im Unglück noch einen anderen Lebenssinn haben. Dennoch sollte man den Wert des Glücks nicht schmälern. Gott hat, so Annegret Braun, dem Menschen nicht nur das Bedürfnis gegeben glücklich zu sein, sondern auch die Fähigkeit, Glück zu empfinden. Um ihm zu begegnen, muss man manchmal nur genauer hinsehen. Das wird deutlich an einer Definition von Glück, die der siebenjährige Max in der Studie gab. Er sagt: „Glück ist, wenn man keinem Bären oder Löwen begegnet.“ Es gibt also viele Gründe glücklich zu sein. Walter Graßmann
 - © ThiloundBernd
27. März 2008
Comedy-Abend mit ThiloundBernd
Entspannung durch Humor, wie Verena Reiner in ihrer Moderation ankündigte, war tatsächlich angesagt durch das Comedy-Duo "ThiloundBernd": Thilo Krämer (30), Single, Werbetexter in München und Bernd Bentele (32), verheiratet, 1 Sohn, Personaler in einer Elektronikfirma in Ravensburg. Die zwei strapazierten unsere Lachmuskeln mit Impro-Theater, klassischen Sketchen, Pantomime und Ausdruckstanz ("Wer Liebe lebt"). Thilo und Bernd treten seit zehn Jahren zusammen auf, geben auf christlichen Kongressen Anspiele oder gestalten Jugendgottesdienste mit. Sie schreiben ihre Stücke - mit mehr oder weniger Tiefgang - selbst, und führten uns in mehreren Dialekten des In- und Auslandes durch den Abend.
Es wurden zum einen christliche Themen parodiert, wie z.B. verschiedene Variationen der Geschichte vom verlorenen Sohn, eine konservative und eine "jugendliche" Variante von Psalm 23 und eine missglückte Evangelisation "Kennst Du Jesus? - Ach, den spanischen Fußballspieler?" Zum anderen nahmen die zwei aber auch typische Fernsehsendungen auf den Arm: die Tiersendung, in der Thilo als Huhn und Gorilla auftritt... oder die Fernseh-Wahrsagerin "Esmeralda", die dem Ronny (alias Bernd mit ostdeutschem Dialekt) die Zukunft voraussagt und uns mit unglaublichen Selbstverständlichkeiten zum Lachen brachte. Der "Versöhnungs"-Sketch war für viele der Höhepunkt des Abends: Zwei Freunde beten zusammen, werden aber beim Anblick einer schönen Frau zu erbitterten Konkurrenten. Sie versuchen, sich gegenseitig auszuschalten, und das auf eine für älteres Publikum sicher eher geschmacklose Weise, wie es Jugendliche aber eben aus Comics kennen: Der jeweils andere wird grausam zersägt, erschossen, mit Stromstößen malträtiert usw., was aber alles nichts hilft. Am Ende kommt Bernd auf die Idee, bei Thilo einfach den Stöpsel zu ziehen und Thilo sinkt wie ein Luftballon unter großem Zappeln zu Boden. Bernd pumpt ihn aus Mitleid dann wieder auf, bis Thilo so aufgeblasen ist, dass er fast abhebt. Plötzlich ertönt eine Stimme vom Himmel, beide drehen sich von einander weg mit verschränkten Armen - Gott spricht zu ihrem Gewissen. Jeder weist jegliche Schuld von sich ab und deutet auf den anderen: Der hat mir das und das angetan, der ist schuld. Es geht eine Weile, am Ende aber: Versöhnung.
Natürlich kann man das alles nicht nacherzählen (besser unter www.thiloundbernd.de Bilder anschauen). Es war ein gelungener Abend mit ca. 80 Gästen, so dass das Büffet mehrmals erneuert werden musste und sich an der Theke Schlangen bildeten - und der Gesprächsstoff reichte bis kurz vor Mitternacht. Beate Beckmann-Zöller

24.April 2008
Das Klima: Der Wandel und wir
Referent: Dr. Volker Rapp
Schon seit langem ist Archäologen eine ehemalige Wikingersiedlung auf Grönland bekannt. Die Nordmänner lebten in einer entwickelten Zivilisation, die große Ähnlichkeit mit den damaligen Verhältnissen in Europa besaß. Im Laufe des 14. Jahrhunderts änderte sich jedoch das Klima: eine kleine Eiszeit brach aus, die Temperaturen sanken. Eine Zeitlang stemmten sich die Wikingersiedler gegen die Kälte, doch sie konnten ihre althergebrachten Methoden im Ackerbau und Viehzucht nicht denen der offenbar kälteresistenten Eskimos anpassen. Schließlich musste die Siedlung aufgegeben werden.
Auch heute ändert sich das Klima. Dr. Volker Rapp, Physiker, verweist in seiner Präsentation auf die seit 1975 kontinuierlich ansteigende mittlere Jahrestemperatur. Eine der Folgen ist das Abschmelzen des Eises an den Polkappen.
Dies bekommt z.B. Grönland zu spüren. Die Insel ist zu ca. 85 % von Eis bedeckt, der Eispanzer hat z.T. eine Dicke von mehreren Kilometern. Wenn dieses Eis zur Gänze schmelzen würde, dann könnte der Wasserspiegel weltweit um bis zu sieben Meter ansteigen. Dazu müssten die Temperaturen für längere Zeit global um mindestens 2° Celsius ansteigen. Das entstehende Schmelzwasser könnte eine Veränderung der Meereströmungen bewirken. Die Folgen wären nur schwer abzusehen.
Wie aber werden wir mit den Veränderungen umgehen? Halten wir wie die mittelalterlichen Wikinger an unseren eingefahrenen Lebensgewohnheiten fest? Oder finden (und begehen) wir neue Wege?
Nach Einschätzung des Referenten müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eine wichtige Rolle bei der Lösung der anstehenden Probleme spielen. Bemerkenswert jedoch ist, so Volker Rapp, dass jeder einzelne persönlich sehr viel zur Verlangsamung des Klimawandels beitragen könne, ohne zuerst die große Politik und die Wirtschaft bemühen zu müssen.
So kann bei neuen Häusern der Einbau einer Wärmepumpe den Verbrauch von Heizenergie deutlich senken. Die Bepflanzung kahler Flächen trägt auch in Mitteleuropa zur Kühlung der Umgebungstemperatur bei. Oder einfach mal abschalten: Laut focus.de tragen „elektronische Geräte, die nicht ausgeschaltet werden", 4,5 % zum deutschen Stromverbrauch bei. Umgerechnet sind das alleine Kosten von jährlich ca. 2,5 Mrd. Euro. Walter Graßmann
Stadtspaziergang durch München
12 waagrecht: Bayerisches Wappentier aus der Pfalz? Was war das gleich noch mal? Diese und andere Fragen beschäftigten die Teilnehmer des Spätschicht-Stadtspaziergangs am 4. Mai 2008. Bei strahlendem Sonnenschein ging es vom Gasteig über’s Isartor, den Marienplatz, den Alten Peter zum Jüdischen Museum am St.-Jakobs-Platz.
Die Geschichten und Anekdoten zur Münchner Stadtgeschichte unter der Anleitung von Walter Graßmann erhielten noch ein besonderes bajuwarisches Flair: Hunderte von Gebirgsschützen zogen zeitgleich mit Marschmusik durch die Straßen der Landeshauptstadt. Es war der Patronatstag der wackeren Schützen, ein Umstand, der anhand der Mariensäule, einiger Stellen aus den Psalmen, sowie aus der Offenbarung und ihrer Bedeutung für Bayern gut aufgezeigt werden kann. Bei einem wohlverdienten Kaffee am Ende der Tour gab es dann noch ein Kreuzworträtsel zur Münchner Geschichte zu lösen. Ach ja, 12 waagrecht: Der bayerische Löwe kommt ursprünglich aus der Pfalz.
 - Quelle: AZ, 08.05.08, S.22
 - Dr. Herbert Lauenroth
Durchlichtete Nacht - Anmerkungen zu Franz Kafka
Heimkehr und Geheimnis
„Der Mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem in sich, wobei sowohl das Unzerstörbare als auch das Vertrauen ihm dauernd verborgen bleiben können.“
Franz Kafka, Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg
Kafkas Parabel „Die Heimkehr“ ist schnell erzählt: Der Sohn kommt am väterlichen Bauernhof an, doch alles scheint feindlich oder abweisend. Die Katze lauert, zerbrochenes Werkzeug versperrt den Weg, eine dreckige Pfütze springt ins Auge. Niemand empfängt den Heimkehrer. Ratlos und lauschend bleibt er vor der verschlossenen Türe stehen. Er hört die Stimmen aus der Küche. Näher aber kommt er nicht – alles hinter der Tür bleibt ein Geheimnis (zum Text vgl. gutenberg.spiegel.de).
Es gibt wohl wenige Leser, die von Kafkas häufig albtraumhaften Texten nicht verstört werden. Im Kontrast mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn wirkt Kafka noch trostloser. Wie freudig begrüßt der Vater seinen lange vermissten Sohn! Der Heimkehrer wird neu eingekleidet, er erhält den väterlichen Ring, ein fröhliches Fest wird gefeiert (Lk 15,11-24).
Wie lässt sich vor diesem Hintergrund Hoffnung aus Kafkas Werk schöpfen? Dazu gab Dr. Herbert Lauenroth einige Anregungen. Lauenroth ist Literaturwissenschaftler und gehört zum Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring bei Augsburg. Bei seinem angenehm zu verfolgenden Vortrag am 26. Juni 2008 ging er intensiv auf verschiedene Aspekte in Kafkas Werk ein. Etwa 40 Zuhörer entschieden sich, trotz der ungleichen Konkurrenz durch ein EM-Halbfinale, für Kafka, dem Siedler im Grenzland zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft, und konnten schließlich noch etwas Zuversicht gewinnen.
Der Sohn scheitert nicht ganz. Immerhin horcht er hinein, ist mit etwas Abstand dabei, wenn er die Geräusche aus dem Inneren des Hauses hört. Woher er auch kommen mag - er ist beim Geheimnis angelangt. So kann man den Rückkehrer aus der eingangs geschilderten Parabel auch als Heimkehrer in ein Geheimnis verstehen. Eine Ge-Heimkehr also, so Dr. Lauenroth. Walter Graßmann
Ein Mitschnitt dieses Vortrags ist an der Rezeption des CVJM-Hotels für 2,-€ bestellbar.
 - © ojc
"Vom Unbehagen der Geschlechter: Chancen und Risiken von Gender-Mainstreaming und Gender-Ideologie"
Referentin: Dr. Christl Ruth Vonholdt, Reichelsheim
„Heute sind viele Utopien von damals Wirklichkeit geworden“ , so äußerte sich jüngst Helene Wildfeuer, Vorsitzende der Bundesfrauenvertretung des Deutschen Beamten Bunds (DDB), über die Umsetzung von Gender Mainstreaming in Bund und Ländern. Aber was sind die Utopien des Gender Mainstreamings, die der nicht eben als revolutionär geltende Beamtenbund umgesetzt sehen will? Hier ist zu berücksichtigen, dass der Begriff „Gender Mainstreaming“ in vielen Bereichen unscharf ist. Darauf wies Dr. Christl Ruth Vonholdt bei einem Vortrag am 10. Juli 2008 beim CVJM München e.V. hin. Der Abend, der im Rahmen der Spätschicht zusammen mit der Christliche Hochschulinitiative von Professoren und Studenten (CHIPS) veranstaltet wurde, war mit über 100 Zuhörern gut besucht.
Sex und/oder Gender? Vielfach wird unter Gender Mainstreaming so etwas wie Gleichstellung oder Gleichberechtigung von Mann und Frau – etwa bei der Bezahlung – verstanden. Doch die Wurzeln der Gender-Ideologie gehen tiefer.. Im Englischen gibt es zwei Begriffe für „Geschlecht“, nämlich „sex“ und „gender“. „Sex“ bezieht sich auf das biologische Geschlecht. „Gender“ bezieht sich dagegen auf Mann und Frau als soziales Wesen. Beides wird oft synonym gebraucht. Seit einiger Zeit betonen jedoch radikale Feministinnen den Begriff „gender“. „Gender“ sei eine gesellschaftlich konstruierte Geschlechtsrolle, die veränderbar und nicht an das biologisch vorgegeben Geschlecht („sex“) geknüpft sei.
Um Frauen aus ihrer Benachteiligung zu befreien, greifen die Vertreter der Gender-Ideologie auf Ansätze von Marx und Engels zurück. Die bloße Einteilung in Mann und Frau sei die Quelle der Ungerechtigkeiten, deswegen müsse man Gleichheit dadurch erreichen, dass man die „Klasse“ des Geschlechts abschafft. So dürfe das biologische Geschlecht keine größere Bedeutung als die Augenfarbe haben. Letztlich, so Dr. Vonholdt, gehe es bei diesem Aufweichen der Kategorie „Geschlecht“ um die Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit sowie um die Austauschbarkeit von Mann und Frau.
Gender-Fluidität Durch die Abwertung von des biologischen Geschlechts („sex“) und der Loslösung der gesellschaftlich konstruierten Geschlechterrolle („gender“) sei eine beliebige Veränderbarkeit möglich. Das Geschlecht sei nicht mehr eindeutig zu bestimmen, denn ein Mensch könnte so jederzeit frei unter einer Vielzahl verschiedener Gender auswählen. Eine operative Geschlechtsumwandlung wäre so nicht nötig. Die zahllosen Gender müssten, so Frau Vonholdt, gleichgestellt werden, Begriffe wie „Gleichheit“, „Ehe“ sowie „Familie“ erhielten zwangsläufig neue, ganz andere inhaltliche Füllungen. Eine Verundeutlichung und Verwirrung der Sprache sei eine der Folgen von Gender.
Schwangerschaft und Mutterschaft stellen das Haupthindernis bei der Durchsetzung dieser neuen Gleichheit dar. So fordern Protagonisten der Gender-Ideologie häufig statistische Gleichheit, etwa die verpflichtende 50%-Quotengleichheit in allen Arbeits- und Lebensbereichen.
Wie Dr. Vonholdt betonte, spricht nichts gegen eine stärkere Beteiligung von Männern an der Kindererziehung. Eine starre Quotengleichheit entspreche aber einerseits nicht den unterschiedlichen Begabungen vieler Männer und Frauen. Zudem würden etwa Frauen, die stillen, eine Quotengleichheit unmöglich machen. Deswegen wird im Zusammenhang mit Gender immer wieder die freie Möglichkeit zur Abtreibung eingefordert. Mit der Austauschbarkeit von Mann und Frau würde es in Zukunft also um sehr viel Grundsätzlicheres als „nur“ um Chancen- oder Rechtsgleichheit gehen.
Identitätszerstörung Auf lange Sicht würde die Gender-Ideologie bei vielen Personen zur Zerstörung ihrer Identität führen. Gerade vor diesem Hintergrund sei es ausgesprochen kritisch zu bewerten, wenn Vertreter der Gender-Ideologie gezielt darauf hinarbeiten, ihre Ideen in Kindergärten und Schulen umzusetzen. Junge Menschen seien sich über ihre Identität noch nicht im Klaren und könnten durch die beschriebene Strategie der Veruneindeutlichung bedeutenden Problemen ausgesetzt werden.
Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Risiken der Gender-Ideologie. Auf die möglichen Chancen von Gender wurde nicht näher eingegangen. Vielleicht hätte man so erklären können, wie sich diese Ideologie bemerkenswert schnell nicht nur in der UNO, EU, der deutschen Bundesregierung, sondern auch in einigen evangelischen Kirchen und im Deutschen Beamtenbund durchsetzen und dort auf die Agenda gelangen konnte. Im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Vonholdt entspannte sich eine intensive Diskussion. Sie wurde in vielen einzelnen Gruppen bis weit in den Abend hinein fortgesetzt. Walter Graßmann
Dr. Christl Ruth Vonholdt, Leiterin des "Deutsche Insitut für Jugend und Gesellschaft" (Reichelsheim) führte ruhig und ausführlich durch das überaus interessante Thema. Das DIJG forscht und informiert über zukunftsfähige Lebensgrundlagen in den Bereichen Identität, Sexualität, Ehe und Familie, Anthropologie.
Mitschnitt: Ein Mitschnitt dieses Vortrags ist an der Rezeption des CVJM-Hotels für 2,-€ bestellbar.
Bücher: - Christl Ruth Vonholdt (Ed.): Striving for Gender Identity: Homosexuals and Christian Counseling. A workbook for the Church. Reichelsheim 1996, Selbstverlag
- Christl Ruth Vonholdt, Gerhard Besier und Hermann Klenk: Christliche Hoffnung, Weltoffenheit, Gemeinsames Leben. Gelbe Mammuts auf dem Berg. Festschrift für Horst-Klaus Hofmann, Brunnen-Verlag, Gießen 1998, ISBN 3-7655-6326-9
- Christl Ruth Vonholdt, Andreas Laun, Norbert Geis et at. (Hrsg.): Homo-Ehe. Nein zum Ja-Wort aus christlicher Sicht. Zisterzienserkonvent Langwaden, 2001, ISBN 3-934551-34-3
- Vonholdt, Christl (Hrsg.): „Verwundete Weiblichkeit” - Homosexuell empfindende Frauen verstehen, Brunnen Verlag Gießen 2005, ISBN 3-7655-1348-2
Sonstige Veröffentlichungen: - Dr. Christl Ruth Vonholdt: Bulletin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft, Reichelsheim (erscheint zweimal jährlich)

Auf dem Weg zum Schloss: Simplify Your Love mit Werner Tiki Küstenmacher
Jetzt also die Liebe. Werner Tiki Küstenmacher, evangelischer Pfarrer und Autor, gab sich die Ehre. Vor etwa 130 Zuhörern breitete er seine Gedanken über gelingende Beziehungen aus. Doch was heißt eigentlich Zuhörer? Der witzige Vortrag wurde durch live erstellte Karikaturen treffend untermalt: Die liebevollen Zeichnungen sorgten mit dafür, dass sich niemand auf dem Weg zwischen den verschiedenen Stationen der Liebe verirren musste. Der Turm, das Zelt, der Gutshof, ein finsterer Wald und schließlich das Schloss, dies alles, so Küstenmacher, seien die markanten Wegmarken für ein Paar.
Sowohl die positive Rolle religiöser Grundwerte als auch die Grenzen ihres Einflusses auf eine Beziehung wurden ausdrücklich hervorgehoben. Ganz nebenbei gab es noch eine elegante Definition des Begriffs der „Liebe“. Die setze sich aus den Aspekten Eros, Amor, der sich auf einen einzigen Menschen bezieht, und Agape zusammen. Küstenmacher unterstrich, dass Liebe eben nicht alleine aus Sex bestehe.
Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem CVJM Erwachsenentreff getragen. Bar und Buffet erfuhren reichlich Zuspruch. Schließlich gab es noch eine Signierstunde und lange Gespräche. Zur Freude der Gäste verzierte Küstenmacher viele Bücher mit seinen typischen Karikaturen.
Interessenten, die sich auf ihrem Weg auf den fünf Stationen der Liebe anregen lassen wollen, dürfen sich auf die Fernsehübertragung des Vortrags freuen. Eine Aufzeichnung dieses Abends wird das Christliche Fernsehen München auf der Sendefrequenz von münchen.tv bzw. München 2 an folgenden Terminen ausstrahlen:
Teil 1 am Sonntag, 12. Oktober 2008, um 10.30 Uhr und Teil 2 am Sonntag, 26. Oktober 2008, um 10.30 Uhr
Der Audio-Mitschnitt auf CD ist für 2,- Euro an der Rezeption des CVJM-Hotels in der Landwehrstraße 13 erhältlich. Walter Graßmann
Indien und die Kultur der Ungleichheit
Warum sind im Gegensatz zum hohen Lebensstandard des Westens etwa 60% der indischen Frauen zwei bis drei Stunden täglich nur damit beschäftigt, Kuhdung zu sammeln und daraus Brennstoff herzustellen? Diese und andere Fragen zur Situation in Indien untersuchte Vishal Mangalwadi mit Hilfe der Stichworte Armut, Kastenwesen und Witwenverbrennung.
Obwohl die Aspekte sehr unterschiedlich sind, würden sie alle auf dem Problem der Ungleichheit beruhen. Der Referent verwies darauf, dass bis heute Menschen in Indien ungleich geboren werden. Dies hänge mit dem schlechten Karma zusammen, so die Überzeugung weiter Kreise der Bevölkerung. Der Hinduismus gehe grundsätzlich davon aus, dass Gott die Menschen ungleich erschaffen habe und sie daher in verschiedene Kasten hineingeboren werden.
Diesen Ausgangspunkt verglich Vishal Mangalwadi mit der christlichen Sichtweise. Hier gebe es einen Gott, der die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffe. Dies heiße, so Vishal Mangalwadi, dass wirklich alle Menschen gleich sind. Das Christentum sei also ein gerade im Alltagsleben gleich und frei machender Glaube. Um tief greifende gesellschaftliche Reformen in Indien zum Erfolg zu führen, müssten die alten religiösen Werte durch neue – in diesem Fall christliche Werte – ersetzt werden.
Dabei betonte der Referent nachdrücklich, dass die im Gefolge von Aufklärung und Französischer Revolution postulierten Menschenrechte in puncto Gleichheitsgedanken bereits in wesentlichen Teilen im Neuen Testament vorweggenommen sind. Jesus Christus gehe auf alle zu, auch auf die „unberührbaren“ Menschen am Rande: Prostituierte, Betrüger, Angehörige religiöser Minderheiten und viele mehr. Der westliche Kulturkreis dürfe diesen wesentlichen Aspekt seiner Wurzeln nicht vergessen und müsse ihm immer wieder neu Leben geben.
Der Vortrag beruhte auf langjähriger Arbeit an wissenschaftlichen Studien und für viele soziale Projekte in Indien. Dr. h. c. Vishal Mangalwadi stammt aus einer christlichen Familie in Indien und lebte lange Zeit unter der armen Dorfbevölkerung, für die er sich besonders einsetzte. Er ist Dozent, Sozialreformer, politischer Kolumnist und Autor zahlreicher Bücher. Derzeit lebt er mit seiner Frau in den USA. Sein nächstes Projekt befasst sich mit der Rolle der Bibel als Basis der zahlreichen politischen Freiheiten des Westens. Besonders interessant sei die Frage, warum noch nie ein protestantisch geprägtes Land von einem Diktator regiert wurde. Der Vortragsabend fand am 16. Oktober 2008 vor 30 Zuhörern im Großen Saal der Landwehrstraße 13 statt. Walter Graßmann
Eine CD mit dem Mitschnitt des Abends kann an der Rezeption des CVJM für 2,00 € bestellt werden.
Teufelskreis Staatsverschuldung
Spätschicht: Kostbare Augenblicke
474 Euro – soviel hat das Lesen der Überschrift gekostet, denn 474 Euro sind genau der Betrag, um den derzeit pro Sekunde in Deutschland die Staatsschulden wachsen. Insgesamt geht es dabei um die kaum vorstellbare Summe von 1,6 Billionen Euro. Egal, ob es sich um ein Baby oder um einen Greis handelt, auf jedem Einwohner unseres Landes liegt eine Schuldenlast im Gegenwert eines PKWs. Oder eben 20 000 Euro Bargeld.
Otto Fricke, der derzeitige Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, referierte am 16. November 2008 über den Teufelskreis der Staatsverschuldung. In den letzten Jahrzehnten seien die Ausgaben der Öffentlichen Hand fast pausenlos angewachsen. Ein Blick in den Bundeshaushalt zeigt, dass der Schuldendienst einer der größten Posten ist. Die Verantwortung dafür trügen, so der FDP-Abgeordnete, ganz klar die Politiker, gleich welcher Partei sie angehörten.
Auf der anderen Seite verwies Fricke auf die große Macht der Wähler. Meist würden sie gerade den Politikern die Stimme geben, die immer neue und teure Wohltaten versprächen. Sparsame Abgeordnete dagegen müssten oft um ihre Wiederwahl bangen. In diesem Zusammenhang unterstrich Fricke deutlich, wie wichtig es für einen Parlamentarier sei, nicht nur Kritik, sondern gerade auch positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung zu erhalten. Sehr genau würde in den Parteizentralen registriert, wie sich die Wähler zu einem bestimmten Politikstil oder zu Sachfragen verhielten.
Eine verantwortbare schnelle Lösung des Problems sieht Fricke nicht. Nur durch möglichst intelligentes Sparen, eine Deckelung der Ausgaben und durch zusätzliches Wirtschaftswachstum sei langfristig eine Entschuldung möglich. Am Beispiel der Zukunftschancen seiner eigenen Kinder erläuterte der FDP-Politiker den seiner Ansicht nach alternativlosen Weg.
Die Veranstaltung, die das Kulturbistro Spätschicht zusammen mit der Christlichen Hochschulinitiative von Professoren und Studenten (CHIPS) präsentierte, war mit über 70 Zuhörern gut besucht. Im Übrigen war es ein Abend der Liberalen. Fricke wurde zeitweise von Mirjam Gruß, Bundestagsabgeordnete und familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, sekundiert. Sie forderte in einem Interview, Kindern und Jugendlichen schon früh mehr Beteiligungsmöglichkeiten zu geben. Ihre Interessen dürften in der Politik keine Nebenrolle spielen.
Insgesamt standen beide Abgeordnete rund anderthalb Stunden Rede und Antwort. In der gleichen Zeit liefen weitere 2 559 600 Euro Staatsschulden auf: 474 Euro in jeder Sekunde, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Walter Graßmann
Eine mp3-CD mit der Aufzeichnung des Abends ist für 2,- € an der Rezeption des CVJM-Hotels auf Bestellung erhältlich.
Sixone
Ein toller Abend mit viel Musik.
(Eine CD dieses Abends ist leider nicht erhältlich)
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Kulturbistro "Spätschicht - sprich mit."
Markus Ulrich Tel. 089 38909173
Wo? CVJM-Haus, Landwehrstraße 13
Wann? donnerstags, einmal im Monat Büfett ab 18.30 Uhr Programm um 20 Uhr
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